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Beitrag zur Revolution

uuj-gro

Auch ich bin ungeduldig und jähzornig:

Es war im Jahre 2005, als unser junger und tragischer Held sich entschloss, nicht nur seinen Wohnort, sondern in Verbindung damit auch seinen Telefon- und Internetanbieter zu wechseln. "So. Weg vom spießigen T-Online. Arcor soll von nun an für glückliches Telefonieren, spannendes Spielen und hochinformative Surferlebnisse im Internet sorgen." Als Mann von hoher Entschlusskraft wurde noch von der alten Wohnung aus im März 2005 online Arcor bestellt. Eine Telefonflatrate und eine DSL 2000 Flatrate (Fastpath inklusive) sollten möglichst ab April das Leben im neuen Zuhause verschönern. Eine Bestätigung des Auftrages wurde rasch und professionell zugestellt. Mit Fröhlichkeit, Zuversicht und einer gewissen Herablassung wurde T-Online mitgeteilt, dass man ihrer Dienste überdrüssig sei. Der Umzug fand planmäßig am 01. Mai statt und täglich lief der junge Revolvermann freudig erregt zu seinem neuen Briefkasten, um endlich die Bestätigung von Arcor zu finden, dass telefonieren und surfen nun, in nie gekannter Perfektion und Schnelligkeit, möglich ist. Zweimal wurde er nicht enttäuscht. Denn zweimal schrieb Arcor ihm, dass sich der Anschalttermin weiter verzögern werde. Diese Post erhielt er jedoch nur, weil er, Profi der er nun mal ist, einen Nachsendeantrag bei der Post gestellt hatte. Nomak hatte einmal versucht, Arcor telefonisch klar zu machen, dass sie ihn ab sofort nur noch über Handy und an seiner neuen Adresse erreichen können. Dieser Versuch war natürlich sehr liebenswert, aber auch sehr naiv: Er hätte wissen müssen, dass seine Daten nun in einem Zwischensystem bei Arcor sind und Ergänzungen oder Änderungen überhaupt nicht möglich sind.

[Nomak, Du süßer kleiner Trottel] Die Zeit verging, unser Revolvermann wurde trauriger und trauriger, die Handyrechnung höher und höher.

Dann kam unser bisher sehr geduldiger junger Telefonwaise auf die Idee, doch einfach mal bei seinen neuen Freunden von Arcor anzurufen und zu fragen, wie es so um ihn stehe.

Eine liebe und kompetente Dame erklärte ihm sofort und klar verständlich, dass es bei seinem Auftrag ein Problem gebe:

Man wisse seine neue Hausnummer nicht!

Nomak verstand sofort das schwierige Problem, das seine lieben neuen Freunde hatten und half ihnen sofort, indem er nicht nur seine neue Hausnummer ganz offen am Telefon aussprach, sondern auch noch den Hinweis gab, dass Arcor selbst seine neue Adresse nebst richtiger Hausnummer in der Auftragsbestätigung schriftlich niedergelegt habe.

Die Dame bedankte sich artig und Nomak war wieder voller Hoffnung und Vorfreude.

Ungeduldig wie ein kleines Kind rief er ein paar Tage später aber wieder bei seinen neuen Freunden an und erkundigte sich nach dem Status seines Auftrages. Diesmal wurde er leicht vorwurfsvoll darauf hingewiesen, dass es ein Problem mit seinem Auftrag gebe: Man wisse seine Hausnummer nicht! Zerknirscht teilte Nomak Arcor die neue Hausnummer mit und machte sich bewusst, dass seine neuen Freunde ja überhaupt nichts dazu können, wenn er so undeutlich spricht und ihnen wichtige Informationen vorenthält. Kurz darauf fand er zwei Briefe in seinem Briefkasten. Beide waren identischen Inhalts und wiese ihn darauf hin, dass es mit seinem Auftrag Schwierigkeiten gebe:

Man benötige weitere Informationen von ihm.

Hier kam es plötzlich zu einem Riss im Raum-Zeit-Kontinuum und unser betrübter junger Hauptdarsteller hatte den Eindruck in einer Zeitschleife gefangen zu sein und täglich vom Murmeltier gegrüßt zu werden:

Briefe von Arcor (immer im Doppelpack) mit dem Hinweis, dass Informationen fehlen, Anrufe bei Arcor ("Es gibt ein Problem mit ihrer Hausnummer!").

Wochen vergehen auf diese Weise. Aus der einst so stolzen Haltung ggü der besten Frau der Welt [Hey, Baby. Ich habe einen super Vertrag bei Arcor für uns klar gemacht] ist inzwischen ist inzwischen betroffene Reue geworden [Es tut mir leid, dass wir nicht telefonieren und surfen können…heul] Die Zeitschleife reisst entzwei, als Nomak irgendwann im Juli, zweimal am selben Tag im Abstand von wenigen Stunden bei seinen lieben neuen Freunden anruft und beide Male nach seiner Hausnummer gefragt wird. Der junge und an das Gute in der Welt glaubende Sympathieträger wirft den Kopf in den Nacken, seine Augen fangen an zu glühen. Ein Grollen entsteigt seiner Kehle, seine Kleidung platzt und reisst, sein Körper wächst auf 2, 20 m. In Riesensprüngen rennt er zum nächsten T-Punkt - und betritt diesen auf Knien. "Darf ich wieder bei euch mitspielen? Bitte, bitte, ich geh auch nie wieder woanders hin." Der tränenumflorte Blick macht die zu Recht strengen Herren doch weich und sie versprechen, dass Nomak in einer Woche wieder telefonieren darf und in drei Wochen auch wieder ins Internet kann. Jedem im Büro die Füsse küssend und Dankesworte stammelnd wird der Laden verlassen.

Arcor wird unmittelbar im Anschluss per Telefon und per Fax mitgeteilt, dass Nomaks neue Hausnummer sie in Zukunft nicht mehr um ihren Schlaf bringen muss. Arcor nickt gelangweilt ab.

Eine Woche später kann Nomak via Telekom wieder telefonieren und hat eine eigene Telefonnummer. Am selben Tag bekommt er Post von Arcor. Natürlich im Doppelpack. "Herzlich Willkommen bei Arcor. Schön, dass Sie unser Kunde sind, ab heute können Sie bei uns telefonieren und surfen…" Zum viermillionsten Mal ruft Nomak bei Arcor an, zum viermillionsten Mal hängt er mind. zwanzig Minuten in der Warteschleife. In einfachen aber klaren Worten spricht Nomak seinen neuen Feinde an:

"Ey, höma. Ich hab den Auftag storniehiert!!!"

Gelassen antwortet man ihm:"Echt? Gähn. Davon weiss ich nichts."

"Ey, man. Ich habe ein Fahax geschickt. Das ist auch angekommen, denn ich habe einen Sendebericht!" Zack, das hat gesessen, hm!?

"Ein Fax? Gähn. Och, ja. Da liegt ja eins rum. Naja, aber jetzt, wo der Anschluss fertig ist und alles…!?"

"Nein, Satan. Im Namen des Herren, verschwinde und lass meine Seele!"

"Gähn. Naja, dann nicht. Aber stornieren können Sie das nicht. Das ging nur innerhalb der ersten drei Wochen. Jetzt ist das eine Kündigung."

"Mir egal, wie Du das nennst, Mafiaboss, hauptsache ich bin raus."

Nein, es ist nicht egal, wie das genannt wird, muss unser dummer junger Freund feststellen. Den Arcor hat eine Mindestlaufzeit von zwölf Monaten. Und das bedeutet, dass unser dummer, bedauernswerter Held noch bis April 2006 jeden verfickten Monat 65,- beschissene Euro an die Blutsauger bezahlen darf, ohne etwas davon zu haben.

"Dann kündige doch T-Online und nimm so lange Arcor in Anspruch, wenn Du das eh zahlen musst!" ist ein gut gemeinter Ratschlag.

Ha, ha, ha - na, klar. Und ab morgen parke ich nur noch in Polen, lasse immer meine Haustür offen stehen und bringe mein Geld den Junkies am Hbf statt zur Bank.

P.S.

Vor drei Tagen stand eine nette Dame von der Telekom auf einmal vor der Tür und fragte mich, ob ich nicht einen Euro im Monat weniger zahlen wolle und dafür von DSL 2000 auf DSL 6000 umsteigen will…

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