Gedanken eines Revolvermannes
„Der Mann in schwarz floh in die Wüste und der Revolvermann folgte ihm …“
Eskrima - Das Probetraining
Nachdem meine Gedanken lustig um Eskrima, Systema und Wing Tsun gekreist sind (Nomak,der Infant), habe ich nun kurz entschlossen gehandelt und mein erstes Probetraining im Warriors-Eskrima liegt hinter mir:
Nach 5 Kilometern und ca. 8 Minuten Fahrzeit habe ich mein Ziel erreicht. Einen Parkplatz leider noch nicht. Okay, ich bin sportlich und parke ca. einen halben Kilometer von meinem Ziel entfernt.
Mein Ziel ist ein graues Haus, an dem über einer Hofeinfahrt ein gelbes Schild mit der Aufschrift "Kampfschule" angebracht ist.
Ich gehe durch die Toreinfahrt und gelange auf einen düsteren Hinterhof, in dem wieder gelbe Schilder daraufhin weisen, dass hier Muay Thai und Kickboxen trainiert werden. Hm, ob das alles so richtig ist?
Eine verschlossene Tür. Ich drücke beherzt auf die Klingel. Es summt. Ich öffne die Tür und muss zunächst einem langen L-förmigen Gang folgen, der vor einem zugezogenen Vorhang endet. Ich ziehe den Vorhang beiseite und stehe vor einem Mann im schwarzen T-Shirt. Er ist einen Kopf kleiner als ich, hat unglaublich dunkle Ringe unter den Augen, einen Bauch wie ein Medizinball und sieht Smudo von den Fantastischen Vieren ansonsten verblüffend ähnlich. "Hallo, ich bin der Christian.", sagt er freundlich. "Hi. Ich bin Nomak. Wir hatten gemailt wegen des Probetrainings." "Ah, ja. Prima. Zieh doch schon mal Deine Schuhe aus und geh in die Halle. Die anderen sind noch nicht da." Ich ziehe meine Sportschuhe aus und betrete die Halle. Oh, je. Worauf habe ich mich da eingelassen. Ein großer fensterloser Raum. Er ist komplett mich Matten ausgelegt. In einer Ecke ist ein richtiger Ring aufgebaut wie ich ihn nur aus den Boxkämpfen aus dem Fernsehen kenne.
Ein paar riesige Sandsäcke hängen an Ketten aus dem Boden. Eine Wand ist voller Spiegel. Davor hängen alle möglichen Waffen: Schwerter, Stöcke, Hellebarden, Beile.
Ich setze mich an eine Ecke des Rings und warte ab.
Ein Typ betritt die Halle und stellt eine Sporttasche auf den Boden. Er ist ca. 1,95 m groß, Mitte 20 und hat leicht rötliche Haare. Er geht, als habe er eine körperliche Behinderung im Hüftbereich. "Na, neu?", grinst er mich an. "Ja. Zumindest wollte ich mal ein Probetraining machen." Er nickt. Dann geht er ein paarmal vor mir auf und ab. Schließlich wendet er sich dem Punchingballl zu, der anderthalb Meter vor mir angebracht ist. Er setzt einen giftigen Gesichtsausdruck auf, schießt seine Faust auf den Punchingball ab und bremst ihn kurz darauf mit dem Ellenbogen. Sieht wild, aber nicht besonders beeindruckend aus. Beeindrucken will er mich aber scheinbar. Nachdem er diese Aktion noch ein paarmal wiederholt hat und ich nicht weiter reagiert habe, außer dass ich ihm zugesehen habe, geht er zu seiner Sporttasche, holt einen ca. 70 cm langen Holzstock heraus und fängt an, damit in der Luft herumzufuchteln. Das Gefuchtel hört auf, als ein weiterer Mann die Halle betritt.
Er ist ca. 1,75, ungefährt 40 Jahre und hat kurze graue Haare. Er wirkt ziemlich fit. Er fängt an, seine Beine zu dehnen und unterhält sich mit dem Riesen über den Boxkampf vom vergangenen Samstag. Seine Art ähnelt der von Graciano Rocchigiani: selbstbewußt und prollig. Nur ohne den Berliner Dialekt.
Er heisst Ralf, wie ich später mitbekomme. "Hallo, ich heiße Frank.", begrüßt mich der nächste Ankömmling freundlich und mit Handschlag.
Frank ist ein kleiner, schmächtiger Mann mit Brille und Schnurrbart. Ich schätze ihn auf Mitte vierzig. Er zieht sich sofort ein paar schwarze Boxhandschuhe an und bearbeitet geschickt einen der riesigen Sandsäcke.
Dann steht auf einmal Peter vor mir. Peter habe ich seit ca. 12 Jahren nicht gesehen. Davor habe ich ihn aber 9 Jahre jeden Tag gesehen. Wir waren nämlich zusammen in der Schule.
Ich erfahre, dass Peter in den letzten zwölf Jahren Karate gemacht hat und Inhaber des 2. Dans ist.
Nun hat er keine Lust mehr auf Karate und sucht seit einiger Zeit etwas Neues. Genau wie ich hat er auch Systema im Sinn gehabt, diese Idee nach ein paar Probetrainings wieder verworfen. Er ist heute auch erst zum zweiten Mal hier. Das letzte Mal sei es ganz lustig gewesen sagt er.
Kurz danach kommt noch Thomas, der genau wie ich, heute sein erstes Probetraining absolviert. Er ist Mitte 20 und wirkt sehr sympathisch.
Nachdem wir uns unter Anleitung von Christian ein bisschen warm gemacht haben, werden wir in zwei Dreiergruppen eingeteilt. Die drei Fortgeschrittenen sind in einer Gruppe, wir Newbies bilden die andere Gruppe. Christian pendelt zwischen diesen beiden Gruppen hin und her, erklärt macht vor und überprüft.
Während die andere Gruppe mit Doppelstöcken und Gummimessern beschäftigt ist, hat jeder von uns einen kurzen Holzstock aus Ratan in der Hand und versucht langsam die Grundschläge und Abwehrtechniken auszuführen, die Christian uns demonstriert hat.
Von Christian bin ich positiv überrascht. Im Gegensatz zu anderen Kampflehrern, die immer zeigen müssen wie toll sie sind, was für die Schüler immer Schmerzen und blaue Flecken bedeutet, ist Christian sehr sanft und natürlich. Er scheint es nicht nötig zu haben uns zu beeindrucken. Trotzdem sieht man, dass er weiß, was er tut. Mit Peter und Thomas zu üben macht Spaß. Beide sind nett und fröhlich und geben sich trotzdem richtig Mühe alles richtig zu machen.
Zwischendurch wird jeder von uns dreien einmal von Christian zu einem Autoreifen geführt, der an einer Kette von der Decke baumelt. Er drückt einem einen dicken Knüppel in die Hand und lässt einen den Reifen damit so richtig verdreschen. Schlagtraining. Bereits nach wenigen Minuten bekommt man dabei steife Finger.
Unglaublich schnell sind die anderthalb Stunden vorbei.
Christian verabschiedet die Gruppe und kommt dann zu mir. "Ob das was ist, weiß man erst nach ein paarmal üben. Wenn Du möchtest, kannst Du gerne noch ein paarmal kostenlos mittrainieren, um zu schauen, ob Dir das Spaß macht." Supernett.
Auf dem Weg nach Hause denke ich, dass das richtig Spaß gemacht hat, mir körperlich aber gar nichts abverlangt hat. Die Meinung wird zu Hause sofort beeindruckend widerlegt, als ich mich kaum in der Lage sehe, ein Wasserglas mit einer Hand zu halten… Nächsten Dienstag versuche ich das nochmal.
#1. Dr.Sno* schrieb am 26.04.2006 um 17:27 Uhr:
ich hab Dich - als Leidensgenosse - mal bei mir verlinkt!
#2. Nomak schrieb am 26.04.2006 um 23:40 Uhr:
Oh, Herr Doktor. Damit laufen Sie aber Gefahr, ebenfalls einen Platz in meiner Blogroll zu finden. Einspruch noch bis zum 26.04.06, 23:41 Uhr möglich.
#3. Dr.Sno* schrieb am 27.04.2006 um 17:43 Uhr:
ich kann machen was ich will - ich schaff's irgendwie nie fristen einzuhalten ;)