Gedanken eines Revolvermannes
„Der Mann in schwarz floh in die Wüste und der Revolvermann folgte ihm …“
Rund um den Job
Ende der 2. Runde
Am 02.05.12, also vorgestern, war es soweit: Ich habe mich erneut den Psychologen gestellt … [mehr]
Ready for round two
Bei dem IQ-Test bekommt man Noten von eins bis fünf. Ich bin eindeutig im Kopf nicht mehr so schnell wie vielleicht vor sechs Jahren …
… aber für eine zwei hat es noch gereicht. Yieha, ich gehöre zu den 50%, die es in die zweite Runde schaffen. Am 02.05.12, 08:15 Uhr ist es wieder soweit:
- Gruppendiskussionen
- Rollenspiel
- Vortrag
- Explorationsgespräch mit einem Psychologen
Mal sehen, wie viel erfahrener die vergangenen Jahre mich gemacht haben.
Casting Vol. II
Vor sechs Jahren war ich ein Magier vierten Grades und wollte ein Magier außerhalb jeder Kategorie werden. Nachdem ich den 1.Tag des Auswahlverfahren damals gut bestanden hatte, fiel ich beim 2. Tag gnadenlos durch.
Nun habe ich den Kampf noch einmal aufgenommen … [mehr]
Englisch
Als im Dienst gerade nicht viel zu tun war, habe ich eine Pause genutzt, um in der Wikipedia einen Artikel über Counter Strike und Day Of Defeat zu lesen. Keine große Sache, nichts Besonderes. Das zu erklären scheint jedoch nicht so einfach ...
JayDee: „Hey, Nomak. Was machste denn da?“
Nomak: „Ich lese etwas über Day Of Defeat.“
JayDee: „Hä? Day of de feet? Wann ist denn der Tag der Füße?“
Ups - aufgefallen
Ich sitze in einer dienstlichen Besprechung für Führungskräfte neben dem Protokollführer.
Er hat vor sich einen Bildschirm und eine Computertastatur, auf der er eifrig mitschreibt. Neben seiner Tastatur liegt ein Notebook. Es ist aufgeklappt, der Bildschirm ist schwarz, und das Notebook ist offensichtlich ausgeschaltet.
Der aktuell redende Kollege schafft es nicht meine gesamte Konzentration zu fordern; ich fahre mit dem Finger spielerisch über das Touchpad des Notebooks. Hin und Her. Dann tippe ich spielerisch die Worte „alles doof“ auf der Tastatur.
Der Protokollführer hat aufgehört zu tippen. Ich bemerke aus dem Augenwinkel, dass er mich von der Seite anstarrt. Ich erwidere seinen Blick, der in diesem Augenblick zu seinem Monitor zurückschweift – auf dem in der Mitte, des von ihm verfassten Textes die Worte „alles doof“ deutlich herausstechen …
Countdown läuft
Was für ein ätzender Tag. Die Erkältung, die Fröschchen die letzten Tage geplagt hatte, hat mich heute erreicht. Die Nase ist leicht zu, die Nebenhöhlen drücken. Den verkaterten und mürrischen Tagesbeginn haben wir mit einem Frühstück in einem Café zu einem guten verwandelt. Und dann begann der Spätdienst …
Meine Fresse. Was für ein unentspannter zickiger Haufen das doch sein kann. Wenn man acht Stunden darauf wartet, dass endlich Feierabend ist, dann sind acht Stunden richtig lang. Und jetzt warte ich sechs Tage darauf, dass endlich wieder Wochenende ist …Frauen
So aus männlicher Sicht sind Frauen ja grundsätzlich schon etwas Schönes. Ich liebe meine Frau, meine kleine Tochter ist ein Hit und ich bin froh, dass ich meine Mutter habe. Frauen sind überall zugegen und gehören dazu wie Yin zu Yang und ich möchte keinen Porno sehen, in dem sie nicht vorkommen. Aber…
Aber es gibt da eine Sache, die mir echt die Laune vermiest. Es wäre karrieretechnisch langfristig gesehen wirklich wichtig gewesen, dass ich dieses Jahr noch befördert werde. Ich habe bei der Verwaltung gestern dann mal angefragt, wie es denn so um meine Platzierung diesbezüglich aussieht. Die Antwort ließ zunächst hoffen - bis dann in einem beiläufigen Nebensatz alle Hoffnung zunichte gemacht wurde:
"…aber dann werden ja noch im Rahmen der Frauenförderung diverse Kolleginnen vorgezogen…"
Frauenförderung ist die staatliche Privilegierung von Frauen, mit dem Zweck einen Frauenanteil von mindestens 50% in allen öffentlichen und privaten Positionen herzustellen.
(Quelle: Wikipedia)
Das bedeutet, dass diverse Frauen, die schlechter beurteilt wurden und nach mir befördert wurden, mir jetzt vorgezogen werden, einfach, weil sie Frauen sind.
Ey, da kommt es mir echt hoch. Welche dumme Kuh hat sich diese Kacke ausgedacht?
Lyrisches
Morgens, 08:45 Uhr in Deutschland.
Räder in der Stille kreisend Dunkle Wolken schnell ziehend Menschen sich bewegend Dieselpreise schnell kletternd Papier im Fax prüfend
(Lukullus, Frühdienstgedanken, 2007)
Käsekästchengeneration
Früher gab es in jeder Klasse Jungs, die wussten der Meinung waren, dass es Interessanteres als den Vortrag des Lehrers gab und die Zeit mit Spielen unter dem Tisch verbrachten.
Irgendwann werden diese Jungs dann größer und müssen dürfen nicht mehr die Schule besuchen. Stattdessen müssen dürfen sie verdammt viel Zeit in einem Büro abhängen einen Großteil des Tages in einem Büro sitzen und einer erfüllenden Tätigkeit nachgehen. Das heisst aber nicht, dass man hier nicht auch, genau wie früher in der Schule, mit Eigeninitiative der ganzen Sache noch einen Hauch mehr Vergnügen beimengen kann.
Oder - mit anderen Worten - ich habe Lukullus die Sache mit dem Comic-Clash mal erklärt und in der Praxis demonstriert. Er bekommt hier dann auch direkt Bonus-Points für Kreativität, da er seine Abneigung etwas außer unbelebten Gegenständen zu zeichnen, mit einem Kopierer, Klebstoff und einer Schere ausgebufft ausgeglichen hat…;-)
Büroarbeit an einem Samstag:
Wer die Stelle findet, an der mit Kopierer und Schere gearbeitet wurde, der darf selbst ein Bild für diese Position malen und mir zukommen lassen… :-)
Würd mich freuen.
Ist das…
…Kritik am Zeichner…?
Wüstensturm
Heute im Büro:
Nomak aka Mr Unfähigkeit
Ein paar Wochen sind ins Land gegangen, seit ich aus dem PAC-Verfahren ausgeschieden bin.(siehe Nomak ist raus, Enttäuschung & Zweifel)
Keiner meiner Kollegen konnte verstehen, dass ich bei so einem Verfahren im verhaltensdiagnostischen Teil ausgeschieden bin. Heute durfte ich mir dann bei einem Psychologen ein Gutachten abholen und mir kurz erklären lassen. Ich denke, ein Tritt in den Unterleib wäre angenehmer gewesen…
Seit dem Betreten des Büros von Herrn Dr. Psycho, hatte ich das gute Gefühl, dass der mich überhaupt nicht leiden kann. Verstand ich gar nicht, denn schließlich haben wir uns bis heute nie gesehen und ich war ganz höflich und freundlich. Er fing mit gestrengem Ton an zu erklären, dass ich, wohl die Vorgaben kritisieren könnte, welche Fähigkeiten und Charakterzüge zu bewerten waren/ sind - die Ergebnisse aber seien unumstößliche Tatsachen. Da sollte ich mir gar nicht erst eine verzerrende Brille aufsetzen. So wie es in dem Gutachten stünde, so wäre es eben. Das sei die Realität.
Gut, zu den Ergebnissen. Da war zunächst einmal der Intelligenztest ("Nein, Herr Nomak, das nennen wir Leistungstest. Es wurde ja kein konkreter IQ gemessen.") Mindestens 4 Punkte musste man hier erreichen, um in die nächste Runde zu kommen. 5 war das Beste. "Ja, Herr Nomak, hier haben Sie insgesamt 5 Punkte erreicht, aber nur, weil sie sprachlich weit über dem Durchschnitt lagen, aber im numerischen, mathematischen Teil…also, das war aber ganz schwach..Naja, hier ist das Gesamturteil. Lesen Sie es selbst und wenn Sie Fragen haben sollten…!?"
In Auszügen:
Gruppendiskussion: Magere Beteiligung. Bemerkungen beim 2. Thema weitgehend deplaciert.
Gruppenarbeit: Kann nicht über den Tellerrand schauen. Seine umständliche sprachliche Darstellung wirkt sich tendenziell als Hemmschuh auf den Fortgang des Teamworks aus.
Vortrag: Stärkste Disziplin. Einfache Formulierungen.
Einzelgespräch: Es gelingt ihm nicht, sein sehr schwaches Abschneiden selbstkritisch zu bewerten. Er geht nicht auf die auffallenden Informationsmängel zum aktuellen Zeitgeschehen, den eingeschränkten sozialen Interaktionsspielraum oder die Neigung zu umständlichen Darstellungen ein. Eine ernsthafte Aufstiegsmotivation kann nicht erkannt werden.
Schlussfolgerung: Herr Nomak gibt in keiner der bewerteten Verhaltenskategorien Hinweise auf eine Eignung. Nach dem Einzelinterview muss sogar eine markante Selbstüberschätzung hinsichtlich der sozialen Kompetenz konstatiert werden.
Gesamtergebnis: 1,5 Punkte (1 ist das Schlechteste…)
Bei den ganzen Ohrfeigen und Tiefschlägen, schmerzt am meisten der Satz: Eine ernsthafte Aufstiegsmotivation kann nicht erkannt werden.
Seit 14 Jahren habe ich darauf hin gearbeitet - und die können keine ernsthafe Motivation erkennen?
Mir ist nicht gut…:-(
Nomak = raus!
Seit heute habe ich es offiziell und schriftlich:
Habe beim Auswahlverfahren am 2. Tag nicht die erforderliche Punktzahl erreicht. Sofern ich mir das erläutern lassen möchte, soll ich bitte einen Termin ausmachen.
Das Schreiben trägt das Datum vom 04. April. Danke, dass ihr einem die Ungewissheit nicht so verfrüht nehmt…
Enttäuschung und Zweifel

Wissen Sie, ich dachte, ich hätte mein Leben im Griff…Doch eines Tages brach plötzlich der Griff ab…Aber wenn oben rot ist, warum ist dann unten links?"
(Groucho, Dylan Dog Nr. 17)
Trotz verstopfter Nase und trockenem Hals bin ich nach dem Spätdienst etwas über eine halbe Stunde durch die einsamen Straßen gelaufen, über die sich bereits die Dämmerung gesenkt hat. Zum Duschen ist es noch zu früh, denn der Schweiss läuft mir in Strömen herunter. Wenigstens kann ich jetzt durch die Nase atmen.
Es ist dunkel. Nur das gedämpfte Licht einer dunkelgrünen Tischlampe und der bläuliche Schein des Computermonitors erhellen den Raum. Auch meine Stimmung ist leicht trüb.
In der vergangenen Woche fand die dritte Runde des Auswahlverfahrens statt (ich habe hier, hier, hier und hier davon berichtet).
Ohne mich.
Eine Absage habe ich nicht erhalten, aber ich wurde auch nicht dazu eingeladen. Tja, das war es dann. Seit Tagen geht es mir immer wieder durch den Kopf. Ich habe es nicht geschafft. Nicht mal in die letzte Runde. Wie verpacke ich das am Besten?
Ich habe mich nicht nur einfach so mal dafür beworben, um es einfach mal zu versuchen.
Vor 14 Jahren habe ich in diesem Beruf angefangen, und schon damals wusste ich, dass ich nach "ganz oben" will. Von Anfang an war das mein Ziel und ich habe alles versucht, um dort hinzukommen. Meine Ausbildung habe ich gehasst. Trotzdem biss ich die Zähne immer wieder zusammen und machte mir mein Ziel bewusst. Es gelang mir die Ausbildung als Klassenbester mit einem "Sehr Gut" zu beenden. Aufgrund dieser guten Note war es mir möglich, mich bereits zweieinhalb Jahre später für ein Studium zu bewerben. Ich bestand das erforderliche Auswahlverfahren und studierte zwei weitere Jahre an einer Fachhochschule. Hier gelang es mir zumindest mit einem "Gut" abzuschließen.
Kurz nach dem Studium, konnte ich mich gegen zwei Mitbewerber vor einer kleinen Auswahlkommission durchsetzen, besuchte einen weiteren Lehrgang und erlangte den Status einer mittleren Führungskraft.
Nach dem Studium war eine Wartezeit von 6 Jahren sowie mindestens ein Jahr in einer anderen Stadt vorgeschrieben. Ich wechselte brav einmal die Stadt und war immer zu Stelle, wenn mal wieder irgendwo personell Not am Mann war. So oft wie ich hat in 6 Jahren wohl kaum jemand die Stelle gewechselt.
Einen ganzen Urlaub habe ich mich mit albernen Aufgaben herumgeplagt, um einen Intelligenztest zu bestehen. Einen anderen Urlaub habe ich nahezu jeden Abend der besten Frau von allen einen sinnlosen Vortrag gehalten, um mich darin zu üben.
14 Jahre kämpfen, 14 Jahre unermüdlich guten Willen und die Bereitschaft zu Sonderaufgaben zeigen. Alles umsonst.
Jahrelang habe ich Sprüche von den Kollegen bekommen, die mich immer schon in der Position eines "hohen Chefs" gesehen haben. Was denken sie jetzt von mir? Sind sie enttäuscht von mir? Sind sie schadenfroh? Sinke ich jetzt im Ansehen meiner Vorgesetzten? Ist meine Familie enttäuscht von mir? Habe ich mir immer selbst etwas vorgemacht? Kann ich viel weniger als ich immer selbst gedacht habe? Wer bin ich - hat das Auswahlverfahren, haben die Psychologen versagt oder bin ich einfach nur ein Straßenköter, der seine höchstmögliche Position bereits erreicht hat?
Ich bin aber unruhig. Ich muss noch über 30 Jahre arbeiten. Ich kann mir nicht vorstellen, die nächsten 30 Jahre einfach auf der Stelle zu stehen. Kein Vorwärtskommen mehr? Keine neuen Aufgaben, keine neue höhere Verantwortung mehr?
Ist das denn wirklich so schlimm? Hier weiss ich, was ich tue. Ich muss meine Arbeitsstelle nicht wechseln, ich kenne die Kollegen alle. Kein Stress. Kein Umzug nötig. Auf der anderen Seite kein höheres Gehalt, keine Spannung, kein Ruhm, keine Ehre - und vor allem das Gefühl, versagt zu haben.
Theoretisch kann ich es noch einmal versuchen. Soll ich das machen?
Hätte ich jetzt das Verfahren bestanden, hätte ich dieses Jahr mit dem Studium begonnen und wäre in zwei Jahren fertig gewesen.
Wenn ich es nächstes Jahr noch einmal versuche und tatsächlich bestehe, muss ich eine neue Art Studium absolvieren, das dann vier Jahre dauert. VIER Jahre. Seufz. Irgendwann hat man keine Lust mehr auf Ausbildung und VIER Jahre können verdammt lang sein, wenn sie von Projektarbeiten, Vorträgen, Klausuren und mündlichen Prüfungen geprägt sind.
Okay. Noch habe ich immer noch nicht schriftlich, dass ich durchgefallen bin. Wenn das soweit ist, muss ich erstmal in Erfahrung bringen, warum die Psychologen mich nicht mochten. Vielleicht hat ein neuer Versuch ja gar keinen Sinn. Manche Charaktereigenschaften ändert man nicht.
So viele Fragen, so viele Ungewissheiten, so viele Zweifel. Wer bin ich?
Schnell auf Toilette
Der obligatorische Bericht zu Dienstag…:
Flashback:
Vor 15 Jahren war der junge Revolvermann zum ersten Mal in dieser Einrichtung in Münster. Er war damals noch Schüler, war zum ersten Mal in seinem Leben mit dem Zug gefahren und war voller Nervosität, ob er das Auswahlverfahren bestehen und sein Berufswunsch somit in Erfüllunge gehen würde.
Nachdem er am ersten Tag des Verfahren den ganzen Tag schriftliche Tests absolviert hatte, stand als letzte Hürde des Tages ein persönliches Gespräch bevor.
Hier war er gelassen. Ein Gespräch - was konnte da schon schief gehen. Man würde ihn ein wenig nach seiner Motivation befragen, schauen wie so seine Vorstellungen und Einstellungen waren. Kein Problem. Alles Fragen, die er ruhig und gelassen beantworten konnte.
Der Mann, der ihm gegenüber saß, schien irgendwelche Vorbehalte zu haben. Er schaute unfreundlich.
Nomak erwartete Fragen bzgl seiner Berufsmotivation und erstarrte, als der Interviewer ihm die Frage "Was wissen Sie über Bangladesch?" wie eine Ohrfeige verpasste. "Ähm…Da kann ich nichts zu sagen." Der Mann schaute weiter aggressiv fordernd und schien Blut geleckt zu haben. "Dann erzählen Sie mal ´was über die Kurden!" Ein weiterer Tiefschlag. "Ähm… Das sind so Ausländer. Hm… Ich glaube, die hungern gerade. Oder so…!?"
"Ha, das kann ja wohl nicht wahr sein. So etwas Desinteressiertes." Der Mann scheint zufrieden, dass sich seine ablehnende Haltung bestätigt hat.
Er wühlt in Unterlagen und runzelt die Stirn.
Er räuspert sich. "Hm… Ihre Ergebnisse bei den schriftlichen Tests waren ganz gut.. Ich lasse Sie mal zum zweiten Testtag morgen zu. Aber ich sagen Ihnen ganz ehrlich: Ich hoffe, dass sie spätestens morgen ausscheiden. Ich möchte niemanden wie Sie als Kollegen haben."
Der Revolvermann nickte und verließ bedrückt den Raum… [mehr]




