Gedanken eines Revolvermannes
„Der Mann in schwarz floh in die Wüste und der Revolvermann folgte ihm …“
Geschribbsel II
[…]Hank saß im Dunkeln auf dem Sofa. Ein Teelicht auf dem gläsernen Couchtisch wirkte klein und schüchtern und gab doch gerade so viel Licht, dass die Flasche Johnny Walker, Blue Label wie magisch erleuchtet wurde. Einen Schluck, dachte er. Einen Schluck könnte ich doch trinken. Warum denn nicht? Ich habe schließlich seit zehn Jahren nichts mehr getrunken.
[Nun, ja. Wenn man den Tag in der letzten Woche nicht mitzählt…]
Da war sie wieder. Die tiefe Stimme in seinem Inneren. Sie hatte ganz leichte Stimmungsschattierungen, war aber immer absolut ruhig, voller unerschütterlichem Selbstbewußtsein. Er versuchte, dieser Stimme nicht zuzuhören. Jeder Mensch, naja, fast jeder Mensch trinkt doch Alkohol. Also kann ich auch ab und zu ein wenig davon kosten.
[Klar, vor allem weil kaum jemand so viel Spaß danach hat wie Du, hohoho.]
Tief, amüsiert, mit einem gluggernden tiefen Lachen.
Hör auf damit! Ich bin nicht anders als andere Menschen.
[Natürlich nicht. Prost, mein lieber Freund.]
Einladend, leicht spöttisch. Hanks Hand schiebt sich langsam auf die Flasche zu, als ein Bild vor seinem inneren Auge aufblitzt:
Menschen schreien. Auf dem Boden liegt jemand. Überall ist Blut. Jemand lacht laut und grollend. […]
(aus: Fingertanz, Nomak, 2006)