Gedanken eines Revolvermannes
„Der Mann in schwarz floh in die Wüste und der Revolvermann folgte ihm …“
Die Blogos-Anstalt - Kapitel 3

Ich bin jetzt schon über ein halbes Jahr hier. Hier, das heißt in der geschlossenen Abteilung einer Klinik für psychisch Kranke. Sie nennen mich Nomak. Ich weiß nicht, warum ich hier bin und ich weiß nicht, wie mein Leben war, bevor ich hier hin gekommen bin. Manchmal blitzen Bilder vor meinem inneren Auge auf. Sie sind bunt und hektisch. Sie machen mir Angst und dann konzentriere ich mich lieber wieder auf die Gegenwart.
Es ist immer noch Sommer und es ist ganz schön heiss.
Spökiburger und MC Winkel sind inzwischen wieder da, was mich sehr freut. Spökiburger hat mir von draußen Comics mitgebracht und seitdem vergeht hier die Zeit für mich wie im Fluge. Lobo heissen die Comics und obwohl Lobo eigentlich ziemlich böse ist, finde ich ihn richtig klasse. Ich habe versucht den anderen hier klar zu machen, dass sie mich ab jetzt "Lobo, der Präsi" nennen sollen, aber das klappt irgendwie nicht. Naja, Herr Grob ist ja noch nicht mal so weit, dass er mich Nomak nennt. Für ihn bin ich noch immer meistens der "kleine dsungarische Zwerghamster".
Ist aber vielleicht auch besser so. Der Ali findet die Comics auch ganz cool und leiht sich sogar manchmal eins, aber als Dr. Vetter hier war, da hat er mich ganz ernst angeschaut und gefragt, ob mir diese Gewaltverherrlichung gefalle und ob ich das für richtig halte. Mein Freund Sno hatte das zum Glück mitbekommen und hinter Dr. Vetter heftig den Kopf geschüttelt. Ich habe dann gesagt, dass ich das nicht gut finde und dass ich auch gegen Gewalt bin und dass ich die Comics nur sorgfältig betrachte, um die Zeichungen zu studieren. So quasi als Vorlage eines Profis. Dr. Vetter hat mich ernst angeschaut und gesagt "Na, schön. Bleib bei dieser Einstellung. Wir sprechen nächste Woche wieder darüber." Weil er so ernst war und Sno mir die ganze Zeit Zeichen gemacht hat, habe ich dann gar nicht mehr von meiner Lieblingsszene erzählt, in der Lobo von einem ca. 3 Meter großen und 800 kg schweren Supergorilla so richtig feist auf die Fresse bekommt und ausruft "Du Bastard, das hat jetzt aber gezwickt…" Obwohl - das ist auch echt gut gezeichnet.
Naja, Sno ist im Moment auch weg. Seine Mama hat ihn abgeholt, damit er mal Urlaub machen kann. Finde ich schade, weil ich doch mit ihm normalerweise immer zusammen male, aber er hat gesagt, wenn er wieder kommt, bringt er mir italienische Salami und Mozzarella mit. Und Bärlauch.
Spökiburger hat viel von seinem Ausflug zu erzählen und ich kann vieles davon gar nicht glauben.
Für den MC war der Ausflug aber nicht gut und Dr. Vetter hat gesagt, dass er sobald nicht wieder raus darf. Er denkt auf einmal ständig, er wäre krank. Erst hat er jedem erzählt, er hätte etwas Schlimmes mit seiner Nase und müsste operiert werden. Dabei hatte er nur ein wenig Heuschnupfen, der jetzt schon wieder weg ist. Dann hat er einmal ganz schlimm geschrien, er wäre taub geworden, weil er uns nicht mehr reden hören könne. Aber es war nacht und wir hatten eigentlich schon geschlafen und gar nicht geredet. Ali konnte ihn beruhigen und ihm klar machen, dass er nur schlecht geträumt hat. Am nächsten Tag wollte er dann direkt wieder einen Arzttermin, weil er meinte, er hätte eine krankhafte Schweissdrüsen-Überfunktion. Er hatte sich mittags aber auch direkt vor ein Fenster in der Sonne gesetzt. Das war alles noch nicht so schlimm - aber dann hat er etwas getan, das ihm eine verstärkte Medikation und einen Aufenthalt im sogenannten Beruhigungsbereich, so eine Art Einzel-Gummizelle eingebracht hat:
Er rannte ganz aufgeregt durch die ganze Station, brabbelte etwas von Krampfadern im Analbereich und nahm Herrn Grob seinen Discman mit den Worten "Da ist er ja - mein Analdehner" weg. Herr Grob war so verblüfft, dass er überhaupt nicht reagierte, als MC sich die Hose herunterzog. Ich bin so froh, dass Ali herbeigerannt kam, denn ich hatte Angst, der Discman würde kaputt gehen. Solange Sno nicht da ist, lässt Herr Grob mich nämlich immer mit ihm seine Gabriel Burns CDs hören. Die sind zwar ein wenig unheimlich (genau wie Herr Grob manchmal), aber ich finde sie auch sehr spannend.
Sehr spannend finde ich auch die Geschichten, die Escher manchmal abends im Schlafraum erzählt. Escher ist ganz neu hier und heisst eigentlich Markus. Aber er nennt sich selbst Escher. Genau wie ein paar unsichtbare Freunde, die scheinbar ständig um ihn herum sind. Mit denen redet er viel. Ich finde das sehr verwirrend, weil ich nur ihn sehe und höre und einer Unterhaltung schwer folgen kann, in der alle Gesprächspartner den gleichen Vornamen haben. Abends höre ich aber gerne zu, wenn er die Geschichte "Porsche in Tarnfarben" erzählt. Da ist einer dabei, der ist wie Bruce Lee. Ari. Wenn dem die Leute blöd kommen, dann haut er die alle kapott. Wenn Dr. Vetter mich fragen würde, würde ich natürlich sagen, ich finde die Gewalt in der Geschichte nicht gut.
Bine kann ich im Moment nicht besuchen.
Irgendwoher hat sie Zigaretten und Bier bekommen und Raphael hat sie erwischt. Sie darf jetzt auch keinen Besuch bekommen und keine neuen Zeitungen lesen. Willkommen - in Vacouver, sage ich da nur.
To be continued…
Projekt Sixpack
Gewicht: 86,3 Sport gestern: Eskrima-Training Points gestern: 27
#1. Raphael M. schrieb am 26.07.2006 um 20:18 Uhr:
Das mit den Zigaretten von Bine, die ich nicht kannte, bisher, muss ich jetzt aber nicht verstehen, oder ?
#2. Nomak schrieb am 26.07.2006 um 20:41 Uhr:
Hm?
Also, Raphael ist doch der Pfleger von der Frauenstation. Bine, die auf der Frauenstation wohnt, hat geraucht und getrunken und ist erwischt worden. Nichts weiter zu verstehen. Oder verstehe ich die Frage nicht?
#3. Raphael M. schrieb am 26.07.2006 um 21:02 Uhr:
Ahso.
Dachte ich wäre gemeint, wegen dem Namen und so...
Bin übrigens gerade in Vancouver angekommen ;-)
Hoffe du siehst mir die kleine Anleihe nach, Nomak.
Ansonsten stell ich hiermit noch den Antrag auf Aufnahme in die Anstalt. In die geschlossene aber bitte, denn dort gehör ich immo hin.
#4. Raphael M. schrieb am 26.07.2006 um 21:08 Uhr:
Ach shit, ich glaube ich steh gerade aufm Schlauch... ;-)
#5. mq schrieb am 26.07.2006 um 22:23 Uhr:
Wie ich mir zu Ohren kam, fühlt sich Escher recht wohl in der Blogos-Anstalt. Vor allem gefällt ihm anscheinend, dass er seine unsichtbaren Freunde mitbringen durfte. Nur die Medikamentierung mit den unterschiedlichen Psychopharmaka in jeweils höchster Dosis macht ihm noch etwas zu schaffen.
#6. nina schrieb am 27.07.2006 um 09:05 Uhr:
schöne geschichte :)
bin ja schon gespannt, wie's weiter geht.
#7. Raphael M. schrieb am 27.07.2006 um 10:10 Uhr:
Ach du lieber Himmel.
Hab jetzt erst Teil 1 und 2 entdeckt und gelesen.
Ja, jetzt isses klar.
Laaaange Leitung, der Herr Raphael, mal wieder.
Naja, die Rolle ist aber cool. Pfleger auf der Frauenstation.
Passt *grins*
#8. Nomak schrieb am 27.07.2006 um 12:21 Uhr:
*@Raphael:*
Juhu, er hat´s, er hat´s....:-)
*@Nina:*
Dankeschön, freut mich. Hast Du die beiden ersten Teile auch gelesen? Ich glaube, die Geschichte man den meisten Spaß, wenn man auch die Blogs kennt, auf die sie sich bezieht, sonst versteht man viele Anspielungen gar nicht.
*@mq:*
Ja, die Medikamente sind nicht ohne. Dafür hat Escher ja schnell Freunde gefunden - auch sichtbare...;-)
#9. nina schrieb am 28.07.2006 um 15:43 Uhr:
soo, jetzt hab ich auch die beiden anderen teile gelesen. ich kenne auch die meisten blogs. also mach weiter so!
#10. Nomak schrieb am 28.07.2006 um 21:54 Uhr:
Jawohl, SIR. ;-)