Gedanken eines Revolvermannes
„Der Mann in schwarz floh in die Wüste und der Revolvermann folgte ihm …“
Familie
Babys Fight Club
Männer vergleichen sich gerne in allen möglichen Disziplinen. Wer hat das schnellere Auto, wer hat den größeren Plasmabildschirm, wessen DSL-Anschluss ist der schnellste. Albern - aber so sind wir nun mal. Und haben Spaß dabei…
Fröschchen muss mit Shazzer und mir immer mal wieder andere junge Paare mit Kind besuchen, und natürlich werden die Kinder dann immer wieder auf einander losgelassen. Fröschchen kann sich ihre Freunde halt noch nicht aussuchen, sondern muss einfach nehmen, was die Bekannten und Freunde der Eltern so hergeben.
Vor vielen Monaten lernte Fröschchen Z-Baby kennen. Fröschchen war damals noch so klein, dass sie nicht mehr tun konnte, als auf dem Rücken zu liegen und mit ihren großen blauen Augen staunend zu betrachten, was sich um sie herum so tat. Z-Baby war da schon eine ganze Runde abgezockter, denn sie ist drei Monate älter.
Im Laufe des Besuches kamen die lustigen Elternpaare auf die Idee, die beiden Babys gemeinsam nebeneinander auf dem Sofa zu fotografieren. Die beiden Mini-Modells wurden nett nebeneinander drapiert und die Kamerafrau ging in Position. Während Fröschchen tat was sie konnte, nämlich interessiert gucken, was so passiert, griff Z-Baby Hand zielsicher in Fröschchens dichten dunklen Haarschopf und fing an, daran zu ziehen.
Ich war damals noch sehr frisch in meiner neuen Rolle als Papa und stellte überrascht fest, wie intensiv Empörung, Schreck, Ärger und Widerstand meine Gefühlswelt übernahmen. Fröschchen wurde rasch durch Z-Babys Mama aus dem brutalen Griff befreit; die kleinen Kontrahentinnen wurden getrennt und gingen mit einem klaren 1:0 für Z-Baby auseinander.
Gestern kam es zur zweiten Runde… [mehr]
Mach es gut, Opi
Wie damals hier versprochen, haben wir Opi wieder besucht. Und als er diesen August 86 Jahre geworden ist, war ich so froh, dass ich ihm das tollste Enkelchen der Welt, unser kleines Fröschchen, zum Geburtstags-Kaffee präsentieren konnte.
Der Geburtstag verlief ruhig und harmonisch in recht kleinem Kreis. Ganz am Ende, als allgemeine Aufbruchsstimmung herrschte, saß Opi alleine am Tisch. Sein "kleiner" Bruder, der auch schon über 80 ist und mit dem er sich gewöhnlich recht kernig und burschikos unterhielt, trat plötzlich von hinten an ihn heran, umarmte ihn sanft und sagte leise in sein Ohr: "Na, Alter. Haste wieder eine Runde geschafft!?" Der Anblick dieser beiden kleinen, alten Männer, die für Gefühlsduselei nie zu haben waren und sich seit so unvorstellbar langer Zeit kennen, schnürte mir den Hals zu.
Opi kam mit nach draußen und verabschiedete sich locker flockig wie er es immer war:
"Machts gut - und kommt gut auf den Topf….", sprachs und zwinkerte.
Das war das letzte Mal, das ich Opi gesehen habe. Vergangene Woche kam er ins Krankenhaus und heute ist er gestorben.
Mach es gut, Opi. Ich hoffe, im Himmel gibt es viele Leute, die Spaß an deinen lustigen Geschichten haben und die du genauso für Klappmesser begeistern kannst wie mich. Meine Sammlung ist inzwischen ganz schön groß - ich hoffe, Du kannst sie sehen.
Mach es gut, Opi.
Grüße aus der Verbannung
Staub und Kartons, schwere Schränke, Hexenschuss und eine tapfere schwangere Frau, eine kleine Ausweichwohnung und kein Telefon und Internet, keine Waschmaschine.
Seit ein paar Wochen wohnen wir in einer kleinen Ausweichwohnung, seit Wochen räumen wir jeden Tag in unserem Haus herum, misten aus, tragen Möbel vom Obergeschoss in den Keller, verladen in Container - und gehen nebenbei noch im Schichtdienst arbeiten.
Montag haben die Handwerker angefangen, obwohl noch immer nicht alles fertiggeräumt war. Im Moment ist der Anblick beeindruckend: Das Haus wirkt wie ausgewaidet, eine graue Hölle, tapetenlos, durchbrochene Wände, aufgeschlagene Böden, abgesägte Rohre.
Shazzer ist so tapfer, obwohl ihr mit ihrem runden Bauch (nächsten Monat kommt unser Töchterchen endlich) alles immer schwerer fällt. Es tut mir so leid, dass sie ein paar schlimme Abende hatte, weil sie sich einfach zu viel zugemutet hat. Sonntag ist es vorbei, dann ist unser Job endlich getan.
Und trotz aller Beschwerlichkeiten, trotz der kleinen Wohnung, in der wir nun klar kommen müssen, trotz meiner schlechten Laune, als ich mich aufgrund eines Hexenschusses kaum rühren konnte, haben wir kein einziges Mal Streit bekommen.
Habe ich schonmal gesagt, dass ich die beste Frau der Welt habe?
Kein Festnetzanschluss. Das ist verschmerzbar, weil es ja Handys gibt und kurze Gespräche immer noch besser sind als keine.
Kein Internet. Argh. Das geht nicht so gut. Ich habe immer so ein schlechtes Gewissen, wenn ich an viele Kontakte denke, die aufgrund meiner vielen Offline-Zeit auf Sparflamme köcheln. So viele Mails, die erst spät beantwortet werden. Was in anderen Blogs abgeht, weiss ich schon seit Wochen nicht mehr.
Frustrierend ist, dass in der Wohnung das Laptop ein unverschüsseltes Netzwerk findet - und ich trotzdem nicht reinkomme. Irgendwelche Hacker hier, die mir ein wenig auf die Sprünge helfen können und wollen?
Linchen im Eiscafé
Kinder sind so erfrischend direkt und geradeheraus. Den begleitenden Erwachsenen ist das oft peinlich. Tja, was ist ehrlich, und was ist unhöflich…?
Linchen, Gunslinger´s Patenkind und Nichte, Shazzer, Gunslinger´s Wife und der Revolvermann selbst sitzen in einem Eiscafé.
Ein eindeutig zu klassifizierendes Alki-Paar betritt das Café und setzt sich zunächst an den Nebentisch. Vor allem sie sieht furchtbar aus: Sie ist dick, ungepflegt und ihr Gesicht ist ein einziger Trümmerhaufen. Fettige, pickelige Haut und mehrere dicke Warzen, die auf ihrer Nase eine beachtliche Höhe erreicht haben.
Kurz nachdem sie sich gesetzt haben, sind wir fertig und machen Anstalten zu gehen. Schnell ergreift das Paar die Gelegenheit und setzt sich an den Tisch, von dem wir gerade aufgestanden sind.
Ich versuche Linchen ihre Jacke anzuziehen, aber Linchen hat keine Zeit. Sie steht völlig fasziniert neben dem Stuhl, den ich bis gerade noch besetzt hatte und auf dem nun die dicke Warzenkönigin sitzt.
Sie sieht die Frau intensiv an, streckt dann den Arm aus und zeigt auf die Frau, wobei ihr Zeigefinger die Frau fast berührt und sagt laut und deutlich:
"Die Frau sieht ja ganz schön vermatscht aus…!"
Linchen malt
Linchen, meine vierjährige Nichte, war mal wieder zu Besuch und hatte ein Bild für mich gemalt.
Ich sah, dass die eine Seite des Blattes stark bemalt war, während die Rückseite lediglich ein paar Striche und Kreise enthielt.
Linchen zeigte mir stolz die stark bemalte Seite:
"Das ist ein Herz für Dich und das hier, das sind alles Raketen!"
"Boah, super." Ich dreht das Blatt herum. "Und was ist das hier?"
Linchen sah mir tief in die Augen und erklärte dann in mildem Ton:
"Das ist die Rückseite…"
Lebensweisheiten
Lektionen im Alltag:
Im Eiscafé mit Linchen.
Linchen hat mich dazu gebracht, dass ich ihr mit dem Löffel Milchschaum von meinem Latte Macchiato gebe.
Linchen: Du, Nomak.
Nomak: Ja?
Linchen, belehrend: "Wenn einem jemand Schaum gibt, dann sagt man >Du bist aber ganz brav< oder >Du bist aber nett<."
Später schaufelt sie genüßlich einen Rest Zucker aus meinem Glas. "Da ist noch Zucker drin", erklärt sie mir geduldig. "Hmm…Und, wie schmeckt es?" "Das schmeckt nach Zucker!" Ehrlich interessiert. "Hättest Du das gedacht?"
Junge oder Mädchen
In zwei bis drei Monaten könnte man beim Arzt erfahren, ob es ein Junge oder ein Mädchen wird.
Eigentlich ist das ja völlig egal, die Hauptsache ist ja, dass es gesund ist.
Nehmen wir mal an, es wird ein Mädchen:
Das wäre ganz wunderbar. Meiner Frau sind schon ein paar gute Namen eingefallen. Die Beziehung Vater-Tochter ist ja oft etwas ganz Besonderes. Und egal, was für Neigungen, Interessen und Fähigkeiten meine Tochter hätte, ich würde mich bemühen sie in jeder Hinsicht zu unterstützen. Selbst wenn es um für mich völlig fremde Welten wie Ballet, Reiten oder Boybands geht.
Nehmen wir mal an, es wird ein Junge:
Das wäre ganz wunderbar. Da sind mir auch schon ein paar gute Namen eingefallen. Ich bin ja wirklich alles andere als ein Chauvinist oder Macho, und ich finde Frauen toll. Aber es gibt da doch immer so ein paar Punkte, wo ich Männer viel einfacher durchschaubar und nachvollziehbar finde.
Natürlich könnte es sein, dass mein Sohn ganz, ganz anders wäre als ich. Vielleicht wäre er fasziniert von Ballet, Reiten und Boybands. Fänd ich völlig okay und würde ich auch unterstützen.
Aber vielleicht… Ich würde ihm einfach so mal meine Comics zeigen. Nur mal so zeigen. Und ich würde ihm einfach mal so die Bücherei zeigen. Da war ich früher jede Woche mit meiner Mutter. Ich kann mich da noch an Superbücher erinnern. Und ich weiss noch viele Filme, die ich als Junge toll fand. Könnte ich ihm ja mal zeigen. Vielleicht fänd er auch Kampfsportarten gut, Tennis, Tischtennis, Volleyball, Radfahren, Schwimmen, Tauchen, Esoterik, Autofahren, Zeichnen, Computerspiele. Also, wenn das so wäre - ich würde ihn da auch unterstützen…Auf jeden Fall werde ich ihm das alles mal zeigen. Man weiss ja nie…
Ich will auf jeden Fall so früh wie möglich wissen, ob es ein Mädchen oder ein Junge wird! Auch, wenn es wirklich total egal ist.
Hauptsache, es ist ein Junge gesund.
Welt der Wunder

Wenn man ein Kind ist, sind Eltern ja quasi so etwas wie Halbgötter. Es gibt keine Sorge, kein Problem, keine Not, die Papi und Mami nicht in den Griff bekommen können. Eltern sind Erwachsene, sie haben das Leben voll im Griff. Vor ca. fünf Monaten, als ich es getan habe, schrieb Nilz einen netten Gruß und meinte, ich sei der erwachsenste in seiner Blogroll. Total nett, aber stimmt ja gar nicht, wie man u.a. hier nachlesen kann.
Aber - die Welt dreht sich weiter. Manchmal langsamer, manchmal schneller, aber sie dreht sich. Im Moment dreht sie sich wieder ganz schön schnell, denn während ich es immer noch etwas ungewohnt finde von meiner Frau zu sprechen, muss ich mich gedanklich nun darauf vorbereiten in Zukunft auch von meinem Kind, von meiner Tochter/meinem Sohn zu sprechen und von einem kleinen Menschen Papa genannt zu werden…
Fast genau ein Jahr nach unserer Hochzeit wird ein Revolverkind das Licht der Welt erblicken; unser Kind… Kann das selbst immer noch gar nicht glauben.
